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Mit dem Drahtesel auf dem alten Heerweg

Der dänische Radfernweg "Hærvejen" bietet landschaftliche und kulturelle Erlebnisse

Der dänische Hærvej, auf deutsch Heerweg oder Ochsenweg, bildete einst die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Jütland und der Elbe. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er um 1070, wahrscheinlich ist er aber deutlich älter. Seine Ursprünge liegen wohl in der Bronzezeit, dem zweiten bis fünften Jahrhundert vor Christi. Von dem Geflecht nebeneinander herlaufender Wege sind nur noch Reste erhalten.
Neues, ausführliches Bikeline-Kartenmaterial aus dem Verlag Esterbauer ermöglicht jetzt, die Geschichte des Heer- oder Ochsenweges inmitten seiner abwechslungsreichen landschaftlichen Schönheit zu erkunden. Es bietet präzise Karten im Maßstab 1:75.000, die über den Streckenverlauf, die Straßenbeschaffenheit, das Verkehrsaufkommen sowie über die Steigungen informieren. Dazu wissenswerte Hintergrundinformationen im Serviceblock (Tipps zur Reisedurchführung, wichtige Adressen, umfangreiches Übernachtungsverzeichnis). Die patentierte Spiralbindung sowie das praktische Querformat sind ideal für die Lenkertasche.
Die zwei Namen Heerweg und Ochsenweg haben historischen Ursprung: In Kriegzeiten bewegten sich Heere über diese Marschroute; seit etwa 1350 wurden dann unübersehbare Herden mit Schlachtochsen von ihren Aufzuchtgebieten im Norden nach Süden über den Geestrücken getrieben. Hauptabnehmer waren die Niederlande, das damalige Wirtschaftszentrum Europas. Das Rind als Fleischlieferant bot gegenüber dem leicht verderblichen Getreide den großen Vorteil, dass es sich selbst transportierte. In der hohen Zeit der Ochsentrifte im 16. und 17. Jahrhundert zählte man bis zu 50.000 Tiere an den Zollstationen.

Ochsentrift

Die beiden Hauptrouten der Ochsentrift führten im Osten über das mittelalterliche Viborg, Haderslev, Flensburg und Schleswig (wo der Ochsenweg durch das Danewerk führte) und auf westlicher Seite über Ribe, Tønder, Leck und Husum über die großen Märkte in Bramstedt, Itzehoe bis nach Wedel an der Elbe - westlich von Hamburg.
Herbergen und Gasthäuser säumten die Ochsentrift. Daraus haben sich bedeutsame Städte und Handelsknotenpunkte entwickelt. Viborg war damals Huldigungsplatz des Königs und Landgericht, Jelling einige Zeit Sitz der Wikingerherrscher. Zu dieser Zeit war Haithabu in den Regionen des heutigen Europa als einer der zentralen Handelsplätze bekannt. Nach dem Bau der ersten großen Eisenbahnverbindungen im 19. Jahrhundert gründeten sich die meisten größeren dänischen Städte entlang der Küste und nicht mehr an der Heerstraße.
Seit alters her bildete der Ochsen- oder Heerweg eine Brücke zu den nordischen Regionen; auf ihm spielte sich ein reger Austausch von Waren, Menschen und ihren Ideen ab. Wikinger bewegten sich auf dem alten Landweg, wilde Söldnerheere schlugen auf einander ein, Landsknechte überfielen und beraubten die durchziehenden Ochsentreiber, Handlungsreisenden, Handwerksburschen, Adligen, Bettler und Pilger – manche trieb es weiter über die Salzstraße zwischen Lübeck und Lüneburg, womöglich bis in den weithin berühmten spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela, nach Rom oder gar Jerusalem.
Im „wilden“ überwiegend protestantischen Norden muten die Spuren katholisch-barock-volkstümlicher Wallfahrt zwar exotisch an. Doch zahlreiche Wallfahrtskirchen mit heiligen Quellen säumen den Heerweg. Wie bei der höchst gelegenen Kirche Dänemarks, der Øster Nykirke (in 127 Meter Schwindel erregender Höhe, errichtet 1150-1200, nordöstlich von Billund, Nørre Kollemorten) mit ihrer fast versiegten St-Peters-Quelle.
Radfahrer auf Feldweg
Landstraße

Kulturelle Bewegung

Der dänische Radfernwanderweg „Haervejen“ ist die nationale blau beschilderte Radwanderroute 3. Die direkte Verlängerung des gut gekennzeichneten Ochsenwegs durch Schleswig-Holstein beginnt am Grenzübergang Padborg und Kupfermühle / Kruså (ab hier markieren Ochsenwegshörner die Kreuzungen).
Große Teile des Ochsen- oder Heerweges sind wie die Autobahn A 7 heute in Fernstraßen umgewandelt und asphaltiert. Ein Teil der Strecke steht aber unter Naturschutz, dort kann man noch am besten den Anmutungen der historischen Straße nachspüren.
Auf den Spuren dieses ältesten Fernwegs kommen Reisende der eng verknüpften wechselvollen Geschichte Dänemarks und Deutschlands sehr nahe. Wiederentdeckt als völkerverbindendes Symbol zwischen Deutschen und Dänen, wurden in den 1990er-Jahren Teile der alten Wegführung rekonstruiert. Auf gut ausgeschilderter Strecke können sich Aktivtouristen auf einem anschaulichen Schnellkurs durch die Geschichte bewegen: Nördlich des Flusses Kongeå markiert ein Gedächtnishain den historischen Grenzverlauf zwischen Deutschem Reich und Dänemark 1864 –1920; im Frøslevlejren tritt jüngste Zeitgeschichte in den noch erhaltenen Baracken vor Augen: Hier wurden 1944 dänische Widerstandskämpfer interniert.
Das das alles unwiderruflich Vergangenheit ist, demonstriert seit nunmehr 35 Jahren auch eine der regionalen Attraktionen. Jeweils am ersten Juniwochenende zieht ein großer Wandermarathon, der Haervejsmarchen, rund 5.000 Begeisterte an. (24.- 25. Juni 2006 - mehr dazu unter www.haervejsmarchen.dk).

Spurensuche

Sichtbar verweisen die Spuren des Heerweges ins Altertum, an seinen Rändern reihen sich Hünengräber, Runen- und Bautasteine. Vereinzelt markieren noch wikingerzeitliche Radspuren, wie zum Beispiel in Klebæk Høje. Viele der verschiedenen Wegstrecken liefen dort zusammen, wo es Furten oder Brücken gab, offene Holzbrückenkonstruktionen wurden erst in der Wikingerzeit gebaut. Ein Teil der einst 760 Meter langen Ravningbrücke bei Jelling sowie die Immervadbro bei Rødekro und die Povlsbro bei Kliplev sind mittlerweile rekonstruiert und eine Sehenswürdigkeit.
Die Rad- und Wanderstrecken durchziehen die schönsten Landschaften Jütlands – dazu zählen etwa die Hügel von Dollerup, Dollerup Bakker, südlich von Hald Ege mit seinen Hohlwegen im romantischen Wald Langskov. Eingebettet liegt der 30 Meter tiefe Hald Sø mit der Ruine der mittelalterlichen Burg Bispens Hald. Die Randbøl Heide und die Quelle der Gudenå sind nur einige der herrlichen Naturgebiete, an denen der Hærvej vorbeiführt.

Text: Dr. Cornelia Göksu

Praktische Informationen zum Hærvejen:

Vor Einführung der Autos und Eisenbahn führte die nord-südliche Hauptstraße Jütlands entlang der Wasserscheide durch die Halbinsel. Der Hærvej (Der Heerweg = dän.: Hærvejen) bestand damals aus einfachen Kies- oder Hohlwegen. Es gab nicht nur einen Weg – ein Netz von kleineren Wegen bildete zusammen das, was wir heute die Heerwege nennen. Sie wurden von Händlern in Ochsenkarren, Ochsentreibern mit ihren Herden und frommen Pilgern bevölkert. In Kriegszeiten waren sie der natürliche Marschweg des Heeres – daher der Name.
Die Strecke von Viborg bis zur Grenze beträgt circa 250 Kilometer. Es ist ganz individuell, wieviel Sie am Tag schaffen können. Es hängt auch davon ab, wieviele Sehenswürdigkeiten Sie sehen möchten. Für einen Teil der Sehenswürdigkeiten müssen kleine Abstecher von der Route gemacht werden. Normalerweise sollten Sie nicht damit rechnen, mehr als 30-50 Kilometer pro Tag zu schaffen.

Mehr im Internet unter folgenden Adressen:

www.haervej.dk 
www.haervejsmarchen.dk (Heerwegs-Wandermarathon)

Übernachtung:

Eine Tour entlang des Hærvej kann sich leicht über mehrere Tage hinziehen. In Abständen sind einfache Lagerstätten mit Wasser-, Toiletten- und Lagerfeuergelegenheiten eingerichtet. Nach der Tagestour schmeckt Gegrilltes über einem selbstgebauten Lagerfeuer sehr lecker. Die öffentlichen, einfachen Lagerstätten sind gratis, während die privaten Plätze 15-20 Kronen pro Person kosten. Mehr Informationen über das Übernachten im Freien finden Sie auf www.teltpladser.dk.
Campingplätze sind etwas teurer. Dort gibt es mehr Bequemlichkeiten – und es besteht die Möglichkeit, Hütten zu mieten. Jugendherbergen sind eine komfortablere Übernachtungsform, mit gutem Essen und guten Betten. Denken Sie unbedingt daran, in der Hauptsaison zu reservieren. Auf den Detailkarten unter www.haervej.dk finden Sie alle öffentlichen einfachen Lagerstätten, Campingplätze und Jugendherbergen entlang der Route.
Hotels und Gasthöfe sind komfortable Übernachtungsmöglichkeiten mit gutem Essen und guten Betten. Einige der Gasthöfe sind sehr alt, mit der wohlbewahrten Atmosphäre der Hærvejen-Reisenden. Denken Sie daran, in der Hauptsaison zu reservieren – siehe auch www.haervejskroer.dk: Niels Bugges Kro, Ravnsbjergvej 69, Dollerup, DK-8800 Viborg, Tel. 00 45 / 86 63 80 11, www.niels-bugges-kro.dk; Harresø Kro, Hærvejen 147, Givskud, DK-7323 Give, Tel. 00 45 / 75 73 02 11, Fax 75 73 03 97, www.harresoekro.dk, post@harresoekro.dk; Bække Kro, Søndergade 2, DK-6622 Bække, Tel. 00 45 / 75 38 90 03, Fax 75 38 94 50, www.baekkekro.com, kroen@baekkenet.dk; Tørning Kro, Hammelev Bygade 63, Hammelev, DK-6500 Vojens, Tel. 00 45 / 74 50 73 03, Fax 74 50 73 49, www.toerning-kro.dk.

Transport:

Wenn Sie Bus oder Bahn benutzen wollen, um zum Hærvej zu gelangen, können Sie Informationen über Strecken und Abfahrtzeiten auf den folgenden Homepages finden: Viborg Amts Trafikselskab: www.vaft.dk, Århus Amt veje og trafik: www.bus-info.dk, Vejle Amts Trafikselskab: www.vat.dk, Ribe Amts Trafikselskab: www.rat.ribeamt.dk, Sydbus (Sønderjyllands Amt): http://www.sydbus.dk Dänische Bahn DSB: www.dsb.dk.

Touristinformationen:

In den Touristinformationen erhalten Sie weitere Informationen über Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten und Transport (Dän. Vorwahl 0045): Viborg Turistbureau: Tel. 87253075, Silkeborg Turistbureau: Tel. 86821911, Bryrup-Them Turistbureau: Tel. 75756900, Nørre Snede Turistbureau: Tel. 75770284, Give Turistbureau: Tel. 75735141, Jelling Turistbureau: Tel. 75871301, Bække Turistbureau: Tel. 75389141, Vejen Turistbureau: Tel. 75362696, Jels Turistbureau: Tel. 74552110 , Vojens Turistbureau: Tel. 74203970, Haderslev Turistbureau: Tel. 74525550, Rødekro Turistbureau: Tel. 74662623, Aabenraa Turistbureau: Tel. 74623500, Kruså Turistbureau: Tel. 74672171 , Velkomst Center Frøslev, Frøslev Grænse: Tel. 76672700.

Neue Bikeline-Radkarte:

Im Rodingersdorfer Verlag Esterbauer ist jetzt das neue Radtourenbuch Heerweg / Ochsenweg erschienen. Es bietet präzise Karten im Maßstab 1:75.000, die über den Streckenverlauf, die Straßenbeschaffenheit, das Verkehrsaufkommen sowie über die Steigungen informieren. Dazu wissenswerte Hintergrundinformationen im Serviceblock (Tipps zur Reisedurchführung, wichtige Adressen, umfangreiches Übernachtungsverzeichnis). Die patentierte Spiralbindung sowie das praktische Querformat sind ideal für die Lenkertasche.

Info:

Das 172-seitige Radtourenbuch Heerweg/Ochsenweg ist für 12,90 Euro erhältlich im Buchhandel (ISBN 3-85000-182-2) oder direkt beim Verlag: Esterbauer GmbH, A-3751 Rodingersdorf, Hauptstraße 31, Tel. 00 43 /(0)29 83 / 28 98 20, bikeline@esterbauer.com, http://www.esterbauer.com
Montag, April 07 2008