
Dank der Erben des Künstlers Edvard Eriksen, der die Skulptur 1913 schuf, gibt es jetzt Entwarnung: Das Kopenhagener Tivoli wird während der Abwesenheit des Originals ein Replikat aus dem Besitz der Eriksen Erben ausstellen. Die »Zwillingsschwester« wird 2010 die gesamte Tivoli-Saison hindurch vom 16. April bis zum 24.Oktober in einem See mitten in dem weltbekannten Vergnügungspark für ihre Fans Hof halten. Das Tivoli gilt mit rund vier Millionen Besuchern pro Jahr als Dänemarks mit Abstand meistbesuchte Touristenattraktion.
Alice Eriksen, Großenkelin des Bildhauers, begründete die Entscheidung der Familie: „Dänen wie alle Kopenhagen-Besucher müssen die Möglichkeit haben, die Kleine Meerjungfrau zu sehen, auch wenn die Meerjungfrau von der Langelinie dann in China ist.“ Alice Eriksen ist überzeugt, dass auch Ihre Großmutter, die Modell für die Skulptur saß, das Tivoli mit seiner märchenhaften Atmosphäre als Standort für das Familien-Erbstück ausgewählt hätte.
Die Eriksen-Erben, die alle Abbildungsrechte an der Figur besitzen, waren von den Reiseplänen von Anfang an ›not amused‹. Sie wollten lieber die Fertigung einer Kopie für den Einsatz in China erlauben, aber das kam für die Planer des dänischen EXPO-Auftritts nicht in Frage. Nur das Original der barbusige Nixe, die einer Figur aus einem Märchen des in China ungemein populären H. C. Andersen nachempfunden ist, könne dem chinesischen Volk die beabsichtigte Wertschätzung demonstrieren und so das gewünschte Interesse auf den dänischen Pavillon lenken.
In Shanghai sitzt die nur 1,25 Meter hohe Bronzeskulptur, weltweit eines der kleinsten Wahrzeichen überhaupt, von Mai bis Oktober 2010 in einem Becken, umgeben von Wasser aus dem Kopenhagener Hafen. Das wird per Tankschiff nach Asien gebracht. Eine Video-Installation des chinesischen Konzeptkünstlers Ai Weiwei, der maßgeblich an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking beteiligt war, soll derweil ihren angestammten Platz am Kopenhagener Hafen einnehmen, so der aktuelle Stand der heiß diskutierten Frage: Was kann die Meerjungfrau ersetzen.
Das ›Original‹ von der Langelinie ist jedoch auch nicht mehr komplett jenes Exemplar, das 1913 aufgestellt wurde. Vandalismus und künstlerischer oder politischer Aktionismus setzten ihr immer wieder zu: Die Meerjungfrau wurde zweimal enthauptet, einmal sägte man ihr ein Stück Arm ab, und es gab üble Blessuren, als sie 2007 von ihrem Sockel herunter gesprengt wurde. Jedesmal konnte sie mit Hilfe der originalen Gussformen rekonstruiert werden.
Weitere Information: Wonderful Copenhagen, Gammel Kongevej 1, DK-1577 Kopenhagen V, Tel. 0045 / 3325 7400
Mehr über die Meerjungfrau:
http://www.visitcopenhagen.com/mermaidAllgemeine Kopenhagen-Reiseinformation:
http://www.visitcopenhagen.de.