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Die Dänen sind unkonventionell und formlos. Diese angenehm entspannte Lebenseinstellung zeigt sich nicht nur im alltäglichen Umgang. Sie kommt auch in den zahlreichen „schrägen“ Kulturen zum Vorschein, die an vielen Orten im Land ein ebenso faszinierendes wie vitales Gegenmodell zum Üblichen bilden. Der dänische Freigeist lässt reichlich Raum für Initiativen jenseits eng gesteckter Normen. Diese alternativen Milieus definieren oft Grenzen neu, setzen neue Normen – und tragen so wiederum nicht selten dazu bei, Dänemarks Position als richtungweisend zu stärken. Ökologische Initiativen, alternative Experimente oder Versuche mit sozialen Wohnformen – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das „andere“ Dänemark zu erleben. Und einige jener Orte kennen zu lernen, die Dänemark weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht haben.
Ein weltberühmtes Beispiel dafür, dass die progressive und liberale Lebenseinstellung der Dänen auch in die Tat umgesetzt wird, ist Christiania. Mitten in der Metropole Kopenhagen bildet die autonome Gemeinschaft seit Anfang der 1970-er Jahre ein kleines Utopia mit Raum für alle Menschen, Gewinner wie Verlierer. Christiania ist dänisch – und einmalig auf der Welt. Über eine Million Menschen besuchen alljährlich den Freistaat am Rande des Stadtteils Christianshavn. Christiania ist damit eine der größten Touristenattraktionen des Landes. Auf dem ehemaligen Militärgebiet wohnen etwa eintausend Menschen. Teils in alten Kasernengebäuden, teils in neuen, phantasievoll gestalteten Häusern, errichtet aus Träumen und einfachem Baumaterial. Christiania ist eine grüne, autofreie Oase, Dorf und Großstadtviertel zugleich. Hier findet man Geschäfte, Kindergärten, einen Radiosender, interessante Werkstätten, in denen z.B. das bekannte Christiania-Transportfahrrad gefertigt wird, Restaurants, Clubs, Grünflächen, aber auch soziale Probleme und Konflikte – und nicht zuletzt einen wirklich abenteuerlichen Weihnachtsmarkt. Christiania besteht seit rund 35 Jahren. Sein Fortbestehen wird durch ein eigenes Gesetz gesichert. Es gibt Führungen durch Christiania sowie einen Reiseführer, den man sich unter www.christiania.org downloaden kann.
Nur wenige außerhalb Dänemarks wissen, dass Christiania eine kleine „Cousine“ im nordwestlichen Jütland hat. Das Thylejren, zu Deutsch Thy-Sommerlager, oder Frøstruplejren hat seine Ursprünge im Jahr 1970. Gedacht war es ursprünglich als alternatives Sommerlager und richtig langes Musikfestival. Eine kleine Gruppe von Teilnehmern aber wollte die Gemeinschaft auch nach dem Sommer nicht verlassen. Sie bauten sich an Ort und Stelle eigene, phantasievolle Häuser. Sie nutzen Höhlen und Hütten als Zeltersatz – und plötzlich war das Thylejren eine Realität. Eine Realität, die bis heute weiterlebt und wie selbstverständlich zu diesem windigen Winkel Dänemarks gehört. Das Thylejren ist nicht leicht zu finden. Doch wenn im Sommer das Musikfestival „Fede dage i Thy” (Tolle Tage in Thy) stattfindet, folgt man einfach dem Menschenstrom vom kleinen Dort Frøstrup aus. Ebenso wie Christiania garantiert ein eigenes Gesetz den Fortbestand von Thylejren. www.thylejren.com (nur auf Dänisch)
Viele moderne, gestresste Großstadtmenschen träumen vom einfachen Leben. Sie möchten im Einklang mit der Natur leben, am liebsten in einer überschaubaren Dorfgemeinschaft. Die ökologische Gemeinschaft Dyssekilde in der Nähe von Torup in Nordseeland hat diesen Traum in die Wirklichkeit umgesetzt. In Dyssekilde geht es nicht nur um Fachwerkidylle und Stockrosen-Nostalgie, sondern um Ökologie, Visionen und ganz außergewöhnliche Häuser. Dazu gehört auch der bekannte „Erd-Dome“ – dän. Jord-dome –, ein nach der Erdumdrehung ausgerichtetes Haus mit einer Erdschicht zur Wärmedämmung. Darüber hinaus stehen in Dyssekilde Strohhäuser, Lehmhäuser, kuppelförmige Gebäude mit optimalen ökologischen Eigenschaften sowie Häuser, die nach uralten Traditionen erbaut sind. Die kleine Dorfwelt ist eine funktionierende Gemeinschaft. Besucher können neben sehenswerten Gebäuden auch Werkstätten, eine Öko-Bäckerei, ausgefallene Kleinstbetriebe und vieles mehr erleben. Vom 1. April bis 1.Oktober finden an den Samstagen der geraden Wochen um 15 Uhr Führungen statt. Im Winter nur am ersten Samstag im Monat. Dauer rund 1–2 Stunden. 30 DKK für Erwachsene. www.torup-by.dk (nur auf Dänisch) www.dyssekilde.dk (nur auf Dänisch)
Der Traum vom Landleben ist auch eine der treibenden Kräfte hinter Friland, deutsch Freiland, auf der Halbinsel Djursland in Ostjütland. Mitinitiator von Friland ist Dänemarks Fernsehsender DR: Für das Projekt haben insgesamt 13 Familien ihren stressigen Alltag mit Karriere und Hypotheken hinter sich gelassen, um ihren Traum von Freiheit und einfachem Leben zu verwirklichen. Mit eigener Hände Kraft haben sie stattdessen in Djursland Häuser aus Stroh, Baumstämmen, Erde und anderen Naturmaterialien errichtet. Dank moderner Kommunikationstechnik arbeiten sie jetzt von ihrem neuen Wohnort aus – und sind obendrein noch schuldenfreie Hausbesitzer. Viele Dänen haben „live“ am Fernseher mitverfolgt, mit welch großem Einsatz die Familien versuchten, ein einfaches Leben in einer funktionierenden Gemeinschaft zu realisieren. Und wie schwer es mitunter ist, auf heute üblichen Komfort zu verzichten. Von Mai bis Oktober finden an jedem Sonntag um 14 Uhr Führungen durch Friland statt. Weitere Informationen www.dr.dk/friland (nur auf Dänisch).
In den 1970-er Jahren zogen viele jüngere Dänen in Wohngemeinschaften und Kollektive. Die meisten von ihnen sind längst verschwunden – doch eines der größten existiert nach wie vor: Svanholm, das eine Autostunde entfernt von Kopenhagen in der landschaftlich sehenswerten Region Hornsherred, Nordseeland, liegt. Die ältesten Teile von Svanholm stammen noch aus dem Mittelalter. 1978 wurde das Gut zum Kollektiv. Statt eines einzigen Gutsherrn erhielt es nun gleich 100 Eigentümer. Die oberste Entscheidungsgewalt hat die wöchentliche Vollversammlung. Das Gut wird nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet. Produziert werden Getreide, Gemüse, Viehfutter und die Milch von insgesamt 100 Kühen. Auf Svanholm gibt es auch eine Gemüse-Packhalle, eine ökologische Baufirma, einen Kindergarten sowie weitere kleine Betriebe. Alljährlich finden Herbst- und Weihnachtsmärkte. Führungen für Jedermann an jedem ersten Samstag im Monat zwischen April und Oktober. www.svanholm.dk
In Dänemark gibt es zahlreiche (Lebens-)Gemeinschaften, in denen Ökologie und Spiritualität eine wichtige Rolle spielen. Viele von ihnen durch Organisation Løsnet verbunden. Auf der Homepage finden Sie auch dänische Orte aufgelistet, die Ökotourismus anbieten.
Viele dänische Bauern bewirtschaften ihre Höfe ökologisch. Einige von ihnen nehmen auch Gäste auf. Bauernhofferien erfreuen sich in Dänemark großer Beliebtheit. Urlaub auf einem Öko-Bauernhof ist geradezu ideal, einmal einen einfachen und gesunden Lebensstil zu testen, die Nahrungskette vom Feld bis auf den Teller zu verfolgen und so vielleicht ein bewussterer Verbraucher zu werden. Auf einigen Höfen kann man bei der Arbeit mithelfen. Auf allen erhält man natürlich ökologische Nahrungsmittel. www.ecoholiday.dk
Inselzeltlager, so genannte Ø-lejre, sind typisch dänisch und typisch 1970-er Jahre. Doch ihre lebendige Kraft ist ungebrochen – nicht zuletzt angesichts des zunehmenden Wunsches vieler nach einem einfachen, unkomplizierten Leben. Dieser Traum bringt tausende Dänen Sommer für Sommer dazu, ihre komfortablen Stadtdomizile gegen eine oder mehrere Wochen Zelturlaub auf einer kleinen dänischen Insel tauschen. Mit einfachsten sanitären Anlagen, Essen am Lagerfeuer und Aktivitäten für alle. Hauptmotiv ist dabei das Gemeinschaftserlebnis. Jedes Inselzeltlager ist anders – einige „Ø-lejr“ sind für Kinder und Erwachsene, andere hauptsächlich für Erwachsene. www.oelejr.dk (nur auf Dänisch) Auf Omø findet ein Inselzeltlager nur für Schwule statt. Das Frauenlager (Kvindelejr) auf Femø wird hauptsächlich von Lesben besucht. Doch es gibt auch Wochen, in denen ein Programm für alle Frauen stattfindet. www.gaycamp.dk www.kvindelejren.dk
Laute Musik, Zelt an Zelt wohnen, vor der Dusche Schlange stehen und tagelang feiern – das ist der Traumurlaub für Musikfans. Bei den allsommerlich überall in Dänemark stattfindenden Musikfestivals sind sie genau richtig! Das ist die Urlaubsgestaltung, von der zehntausende Musikfans träumen. Weltberühmt, ja sagenumwoben ist ohne Frage das Roskilde Festival: Über 70.000 Fans aus aller Welt zieht der Festivalklassiker jeden Juli in die einstige dänische Hauptstadt. Sie erleben hier ein Festival als ultimatives Ferienerlebnis. Das Roskilde Festival ist jedoch bei weitem nicht das einzige dänische Musikfestival. Den ganzen Sommer über gibt es landesweit zahlreiche Festivals. Das Angebot reicht dabei vom eher kleinen, gemütlichen Familienfestival auf der idyllischen Insel Langeland bis zum in einem Wald bei Skanderborg (Jütland) ausgerichteten Skanderborg Festival. Und dann gibt es noch die kleinen, aber feinen Festivals in Nibe am Limford, das Tønder Festival mit Folkmusic oder das Skagen Festival im hohen Norden des Königreichs … Eine Liste aller Musikfestivals finden Sie unter www.festivalzonen.dk (nur auf Dänisch)
Auch eine ganze Reihe alternativer Gemeinschaften gibt es in Dänemark, für die Holismus und Selbstentwicklung zentrale Bedeutung haben. Es gibt Ashrams, Besinnungsaufenthalte, Wellnesscenter und sogar ein Sommerfestival mit ganzheitlichem, hostischem Ansatz in Tisvilde. www.holisten.dk/festival (nur auf Dänisch) www.retraeteophold.dk (nur auf Dänisch)
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