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Urlaub für alle: Westjütland mit Handicap

Das Angebot, eine Reise nach Westjütland zu machen, kommt in einem hektischen Moment, aber sofort tauchen wieder alte Kindheitserinnerungen von weiten Dünenlandschaften, kilometerlangen Stränden und kleinen gemütlichen Städten auf. Westjütland für alle leicht gemacht, heißt das Motto der Reise und soll uns die Urlaubsmöglichkeiten für Menschen mit Handicap in diesem schönen Teil von Dänemark zeigen.

Familie mit Rollstuhl auf Rampe
Paar mit Rollstuhl am Strand
Als ich mit meinem Lebenspartner über die Grenze fahre, überrascht uns das Wetter: Sonne und blauer Himmel soweit man sehen kann, erstaunlich für dieses Königreich des Nordens, dass für uns eigentlich den Ruf von Regen und Sturm hat.
Beim Einchecken im Hotel Fjordgaarden in Ringkøbing gibt es keine Schwierigkeiten. Die Rampe am Eingang ist zwar etwas steil und am besten mit Hilfe zu überwinden, die angebotenen Zimmer sind auch für Rollstuhlfahrer nutzbar. Auch Bar und Restaurant sind für alle gut zu erreichen, so dass wir zufrieden unser erstes Abendessen genießen.

Der nächste Tag begrüßt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein, so dass wir sofort starten, um die Rampe am Strand von Hvide Sande anzuschauen. Dort sind wir mit Mitgliedern der Behindertenverbände verabredet, die sich für die Barrierefreiheit in Westjütland engagieren.
Im Gespräch erfahren wir, dass das Engagement aus den eigenen Reihen entstanden ist, was schließlich auch den Tourismusverband dazu motivierte, Westjütland für Reisende mit Behinderung reizvoller zu machen und das Projekt „Urlaub in Westjütland – für Alle leicht gemacht“ ins Leben zu rufen.

Ans Wasser rollen und Drachen fliegen lassen

Weil das Wetter so herrlich ist, und der Wind so angenehm weht, rollen und laufen wir mit unserem Drachen die Rampe den Strand hinunter, was sehr gut geht. Leider kann man nicht ganz bis ans Wasser rollen, aber das reicht, um den Drachen steigen zu lassen. Der Wind, die Sonne, der weite Strand und der blaue Himmel, es ist ein Genuss, dem Windspiel des Dra-chen zu folgen. Gut zu erreichen ist auch der Aussichtspunkt in Hvide Sande. Man kann eine zwar etwas steile Auffahrt hinauf rollen und dann durch ein, auch auf die Größe eines Rollstuhl-fahrers, höhenverstellbares Fernglas auf die reizvolle Land-schaft hinunter blicken.

Aktivitäten satt

Am nächsten Tag ist sportliche Betätigung angesagt. Die Freizeitanlage Rofi-Center in Ringkøbing ist barrierefrei und bietet sich für ein Badmintonmatch, Tischtennis und andre Sportarten an. Leider kann ich mit dem sportlichen Rollstuhlfahrer beim Badmintonspiel nicht mithalten und stecke eine Niederlage nach der anderen ein, na ja, was soll es, es ist ja alles nur ein Spiel.
Danach besuchen wir die Mønsted Mine, in der Kalk abgebaut wurde, und die heute ein interessanter touristischer Ort ist, auch weil dort der in Deutschland so beliebte Höhlenkäse gelagert wird. Der Zugang ist etwas schwierig und auch die steilen Wege im Inneren der Mine sind nur mit Hilfe zu überwinden, aber es ist sehr lohnenswert, die alte Kalkgrube zu besuchen. Erwähnenswert ist, dass man als Mensch mit Behinderung den unwegsamen Weg bis zur Mine nicht überwinden muss, sondern mit dem Auto direkt bis zum Eingang vorfahren kann.
Das Strandungsmuseum in Thorsminde und das Küstencenter in Thyborøn sind auch für Rollstuhlfahrer unproblematisch und spannend. Es ist aufregend, die Geschichte der Strandungen in Westjütland vor dem inneren Auge wieder auferstehen zu lassen und später im Küstencenter in Thyborøn einen Tornado oder ein Gewitter zu simulieren. Wunderbar anzusehen ist auch das Sneglehus, dessen Äußeres ein Mann aus Liebe zu seiner Frau mit Tausenden von Muscheln und Schnecken gestaltet hat. Sein Inneres ist zwar für Rollstuhlfahrer nicht zu besichtigen, aber allein schon der äußere Anblick lohnt.

Früh raus zu den Fischen

Fischauktion in Hvide Sande heißt früh aufstehen, was von so manchem Gähnen begleitet wird, aber dann doch sehr interessant ist. Auch wenn der Geruch der Fischauktionshalle auf den nüchternen Magen schlägt, wir ersteigern schließlich einen Rochen, der uns am Abend im Hotel in leckeren, kleineren Portionen serviert wird.
Am nächsten Tag fahren wir mit der Fähre nach Fanø, die uns durch ihre Nutzbarkeit für Menschen mit Behinderung begeistert. Der Strand der Nordseeinsel ist mit dem Auto zu befahren, was uns zu einem ausgiebigen Driften herausfordert.
Die ebenen Fahrradwege reizen uns ebenfalls, sie einmal auszuprobieren. So packen wir Handbike und Klapprad aus, und los geht es. Die Mittagspause im Sønderho Kro im gleichnamigen Postkartenörtchen, den man auch als Rollstuhlfahrer besuchen kann, lässt uns wunderbaren Bakskud (geräucherten, getrockneten Stockfisch) und dänisches Bier genießen. Wir besuchen Brinchhjem, ein Haus, in dem auch Gruppen mit Mobilitätseinschränkungen gut Urlaub machen können und besichtigen die kleine Kirche von Sønderho, die schon allein durch die an der Decke aufgehängten Schiffsmodelle ein besonderes Flair hat.

Stadtbummel durch Esbjerg und Ribe

Als es am nächsten Tag regnet, fahren wir nach Esbjerg, um uns das Meeres- und Fischereimuseum anzuschauen. Es ist auch für Rollstuhlfahrer gut zugänglich, nur in die Cafeteria zu gelangen, bereitet Schwierigkeiten, weil die Anfahrt außerhalb über Sand führt und zu steil ist. Die Fütterung der Robben ist jedoch schwellenfrei, fällt uns wieder leichter und ist ein schöner Anblick.
Den Höhepunkt und Abschluss unserer Reise bietet der Besuch der reizvollen Stadt Ribe. Das Wikingermuseum ist barrierefrei zugänglich, und es ist ein Spaß, die alten Wikingertrachten anzuziehen. Das ist zwar für Rollstuhlfahrer etwas schwierig, aber man fühlt sich so gekleidet gleich in die alten Wikin-gerzeiten versetzt. Schön ist, dass alle Vitrinen des Museums auf Rollstuhlhöhe zu besichtigen sind.
Ein Stadtrundgang durch die Altstadt wird zwar durch das Kopfsteinpflaster etwas erschwert, aber durchaus zu schaffen. Wir folgen dem Nachtwächter von Ribe, der für uns alte Lieder singt und uns von der Stadtgeschichte erzählt. Ein Besuch des Doms ist ebenfalls zu empfehlen. Hier treffen alte und neue Kirchenkunst aufeinander, was ihn besonders interessant macht.
Ein bisschen ländliches Vergnügen erscheint uns jetzt jedoch reizvoll, und wir fahren zum Ribe-Reitcenter. Ein Lift hilft auch dem Rollstuhlfahrer hoch aufs Ross, so dass er die Möglichkeit hat, die schöne Landschaft auf dem Rücken eines Pferdes zu genießen. Und dann ist die Zeit in Westjütland vorbei. Wir müssen zurück, in den Süden unserer Republik - aber wir werden wieder kommen, denn Westjütland bietet einfach Urlaubsmöglichkeiten für alle.

Text: Andrea Petersen

Weitere Informationen unter www.visithandicapguide.dk. Dort können Sie auch eine umfangreiche Informationsbroschüre in deutscher Sprache bestellen. Oder bestellen Sie die Broschüre in usner Online-Prospektbestellung!
Montag, Mai 26 2008